Mit Riester die eigenen vier Wände finanzieren?

Häufig fragen uns Kunden, ob es sinnvoll wäre, den bestehenden Riestervertrag für den Kauf der eigenen Immobilie zu nutzen. Den könne man dann ja bei der Finanzierung der eigenen vier Wände einsetzen, ohne dass die Zulagen zurückgezahlt werden müssen. Das stimmt wohl. Es ist aber äußerste Vorsicht geboten, denn dieser Vorteil kann schnell zum Nachteil werden!

Wie genau, schauen wir uns in diesem Rechenbeispiel an:

Mats ist 35 Jahre alt und möchte seine erste eigene Wohnung kaufen, in die er selbst einziehen wird. Das Darlehen, das er für diese Wohnung braucht, beläuft sich auf 200.000 €. Er hat aber bereits einen Riestervertrag mit einem Guthaben von 22.000 € angespart und möchte dieses Kapital für den Erwerb der Wohnung nutzen. Dann muss er nur noch 178.000 € Darlehen aufnehmen.

Bei einem Darlehenszins von 1,0 % verringert sich die monatliche Rate folglich um etwa 100 € und Mats spart somit insgesamt ca. 2.300 € Zinsen ein. Das ist ein toller Vorteil, findet nicht nur Mats!

Aber Vorsicht:

Hier muss beachtet werden, dass das Riester-Guthaben später beim Renteneintritt versteuert werden muss! Durch die komplizierten Steuerregeln für Riester muss Mats dann mit 67 Jahren etwa 29.000 € zusätzlich versteuern. Wenn sein persönlicher Steuersatz im Alter dann beispielsweise bei 30% liegt, sind das ca. 8.700 €, die er an das Finanzamt zahlen muss.

Im Klartext:
Steuernachteil von 8.700 € schlägt eindeutig Zinsvorteil von 2.300 €.
Also setzen wir den Riestervertrag lieber nicht für den Wohnungskauf ein.

ALTER IST RELEVANT

Was in Mats‘ Fall wenig Sinn gemacht hätte, kann allerdings für eine*n über 60 Jahre alte*n Kund*in durchaus sinnvoll sein. Wenn bei dieser Person noch ein Darlehen für die eigene Immobilie besteht, kann das Guthaben des Riestervertrags auch zur Entschuldung genutzt werden. Dann liegen die Fakten wieder anders und die Einbindung des Riestervertrages kann durchaus sehr vorteilhaft sein.

IMMER EINE INDIVIDUELLE ENTSCHEIDUNG

Was aber soll Mats denn nun mit seinem Riestervertrag anstellen? Tatsächlich stellt sich bei jedem Riestervertrag nämlich die generelle Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, den Vertrag laufen zu lassen. Dabei sind die Konstellationen so individuell und unterschiedlich, dass man keine pauschale Aussage treffen kann, die für alle Riesterverträge gleichermaßen gilt.

Es ist aber wichtig, sich darum zu kümmern. Riesterverträge sind lebenslange Verträge. Sie haben eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten! Wir haben Riesterverträge mit ungeförderten Formen des Vermögensaufbaus verglichen. Dabei lagen die Unterschiede bei bis zu mehr als 100.000 € – zu Lasten von Riester. Deshalb können wir pauschal nur eine Empfehlung aussprechen:

Überprüfen Sie dringend Ihre Riesterverträge!

Beitragsbild: midascode/Pixabay
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