Aktuelle Entwicklung
Haben Sie es schon gemerkt? Seit Mitte des Jahres steigen die Zinsen weltweit rasant an. Außer den Menschen, die im Moment eine Immobilie finanzieren möchten, ist das vielen anderen wahrscheinlich im Verborgenen geblieben. Denn die meisten Leute schauen bei der Zinsentwicklung auf die EZB. Und diese hat den Leitzins gerade einmal um 0,25% im September erhöht. Der Leitzins ist allerdings ein kurzfristiger Zinssatz. Der Zinsanstieg hat jedoch bei den langfristigen Zinsen viel stärker stattgefunden. Pfandbriefe verzeichnen beispielsweise einen Anstieg von 0,7% seit Anfang Juli:

(Entwicklung 10 jähriger Pfandbriefe)
Historisch betrachtet sind die langfristigen Zinsen in Deutschland so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr und in den USA wie seit fast 25 Jahren nicht mehr. Woran liegt das?
Generell werden die langfristigen Zinsen stark von der Inflationsrate bzw. von der Inflationserwartung beeinflusst. Diese ist zwar speziell durch hohe Ölpreise gestiegen, liegt aktuell bei ca. 3,3 % in Deutschland und in den USA auf ähnlichem Niveau. Im Jahr 2023 lag die Inflationsrate derweil sogar bei 8-9%. Die (langfristigen) Zinsen am Kapitalmarkt waren zu der Zeit aber niedriger als aktuell.
Die Ursache
Es muss also eine andere Ursache geben. Und diese Ursache findet man, wenn man sich den Kreditbedarf von Staaten und Unternehmen anschaut. Investitionen in Infrastruktur und KI Projekte müssen finanziert werden. Dieses Kapital besorgen sich Staaten und Unternehmen, indem Sie neue Anleihen ausgeben. In diesem Zuge hat sich das Volumen neuer Anleihen in diesem Jahr deutlich erhöht. Besonders im dritten Quartal ist es massiv gestiegen. Um die Anleihen erfolgreich am Kapitalmarkt abzusetzen, müssen sie attraktiv verzinst sein. Infolgedessen weisen neue Anleihen einen höheren Zinssatz aus und ziehen dadurch auch das Zinsniveau am Kapitalmarkt in die Höhe. So ist ein klarer Zusammenhang erkennbar, dass seitdem das Anleihevolumen zugenommen hat, auch die Zinsen gestiegen sind.
Was das für Anleihenkurse bedeutet:
Dieser Zinsanstieg wirkt sich auf den Wert bestehender Anleihen aus. Diese sind in der Regel mit einem festen Zins ausgestattet. Wenn nun das allgemeine Zinsniveau steigt, wird sich der Zinssatz der Alt-Anleihen nicht erhöhen. Sie sind also aufgrund des Zinsanstiegs weniger attraktiv und verlieren an Wert. Genau das hat im letzten Quartal zu fallenden Kursen bei Anleihen geführt. Da Rentenfonds in Anleihen investieren, haben sie durch die Entwicklung der letzten drei Monate gelitten. Mittelfristig könnte der jüngste Zinsanstieg aber einen positiven Effekt haben. Denn gute Fondsmanager von Rentenfonds können entsprechende Anpassungen vornehmen, um das höhere Zinsniveau zu nutzen. Für neue Geldanlagen haben sich die Renditeaussichten bei Anleihen und Rentenfonds sogar verbessert.


