Die Diskussion um aktive und passive Fonds wird oft so geführt, als müsse man sich zwingend für eine Seite entscheiden. Aus unserer Sicht ist das zu kurz gedacht. Denn ein gutes Depot muss nicht entweder aktiv oder passiv sein – sondern sinnvoll aufgebaut. Genau deshalb setzen wir in der Praxis überwiegend auf passive Fonds im Aktienbereich, ergänzen diese aber gezielt um aktive Strategien und bevorzugen bei Rentenfonds in vielen Fällen sogar ausdrücklich aktive Lösungen.
Aktive oder passive Fonds: Warum wir bei Aktien meist passiv denken
Für breite Aktienmärkte spricht langfristig vieles für passive Fonds. Ein ETF auf den MSCI World ist günstig, transparent und sehr breit gestreut. Gerade in großen, etablierten Aktienmärkten tun sich aktive Manager strukturell schwer, ihre höheren Kosten dauerhaft wieder hereinzuholen. Deshalb halten wir passive Fonds im Aktienbereich meist für das bessere Fundament eines Depots.
Konkrete Vorteile passiver Fonds:
- Verlässliche Abbildung des Marktes: Ein passiv verwalteter Fonds bildet den Markt meist über einen langen Zeitraum zuverlässig ab.
- Einfacheres Management: Passiv verwaltete Fonds haben (logischerweise) meist einen geringeren Verwaltungsaufwand und vermeiden unnötige Komplexität.
- Höhere Rendite: Passive Fonds lassen Ihnen meist einen größeren Teil der Rendite, da weniger Verwaltungs- bzw. Servicegebühren und Risiken anfallen.
→ Wer Vermögen langfristig und diszipliniert aufbauen möchte, ist mit einem breit gestreuten ETF deshalb sehr oft gut aufgestellt.
Warum aktive Aktienfonds trotzdem sinnvoll sein können
Trotzdem wäre es aus unserer Sicht falsch, aktive Fonds pauschal auszuschließen. Denn ein aktiver Fonds kann bewusst von der Indexlogik abweichen – also Regionen, Branchen oder einzelne Unternehmen anders gewichten als ein ETF. Genau das kann in bestimmten Marktphasen einen echten Mehrwert schaffen.
Stärken aktiver Fonds:
- Höhere Kontrolle und Individualisierbarkeit: Anders als bei passiv verwalteten Fonds ist bei aktiver Verwaltung alles modular, sodass nichts dem Zufall oder einer vorgefertigten Schablone überlassen wird.
- Hohe Anpassungsfähigkeit: Die hohe Anpassungsfähigkeit ermöglicht eine Anpassung Ihrer Strategie an aktuelle oder potentielle zukünftige Marktentwicklungen und bietet damit mehr Spielraum für Unerwartetes.
- Spezialisierbarkeit: Einzelne Branchen, Länder, Währungen etc. können gezielt eingebaut werden.
Der entscheidende Punkt ist: Ein aktiver Fonds ist nicht automatisch besser, aber er kann dann überlegen sein, wenn seine Abweichung vom Markt gerade in die richtige Richtung läuft. Das ist keine Garantie, sondern eine bewusste Wette. Und genau deshalb sehen wir aktive Aktienfonds nicht als Ersatz für passive Anlagen, sondern als gezielte Ergänzung.
Ein aktuelles Beispiel: DWS1S0 und der MSCI World
Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, zeigt der DWS Invest II Global Equity High Conviction Fund LC (WKN DWS1S0). Der Fonds wird aktiv verwaltet und ist gerade nicht darauf ausgelegt, den MSCI World einfach nur nachzubauen. In den vergangenen Monaten konnte er den MSCI World zeitweise deutlich hinter sich lassen.
Warum lief der aktive Fonds besser?
Nicht weil „aktiv“ automatisch überlegen ist, sondern weil er anders investiert war als der MSCI World. Der Fonds ist deutlich konzentrierter, darf stärker von der Benchmark abweichen und setzt bewusst andere Schwerpunkte. Genau solche klaren aktiven Entscheidungen können in bestimmten Marktphasen zu einer deutlichen Outperformance führen. In anderen Phasen kann derselbe Ansatz aber auch klar hinter dem Markt zurückbleiben.
Warum wir bei Rentenfonds eher aktiv bevorzugen
Noch wichtiger ist aus unserer Sicht die Unterscheidung im Anleihebereich. Denn der Rentenmarkt funktioniert anders als der Aktienmarkt. Anleihen handeln oft seltener, sind weniger transparent, strukturell komplexer und schwerer sauber zu indexieren. Genau deshalb sehen wir hier deutlich bessere Argumente für aktives Management als im klassischen Aktienbereich.
Ein aktiver Rentenfonds kann Laufzeiten, Bonitäten, Emittenten und Marktsegmente gezielt steuern. Dadurch lassen sich Risiken bewusster managen und Chancen oft besser nutzen als über einen rein passiven Indexansatz. Das bedeutet nicht, dass aktive Rentenfonds automatisch überlegen sind – aber sie sind in vielen Fällen deutlich besser begründbar als aktive Aktienfonds.
Gute Beratung ist unersetzlich
Egal, ob aktive oder passive Fonds: Eine Geldanlage in Aktien oder Anleihen ist nie vollständig risikolos. Beide Anlageformen können sinnvoll sein, passen aber nicht automatisch zu jeder Person und jeder Lebenssituation. Auch ein MSCI-World-ETF sollte daher nicht einfach „blind“ gekauft werden, sondern immer im Zusammenhang mit Risikobereitschaft, Anlagehorizont und persönlichen Zielen betrachtet werden – genau das prüfen wir im Rahmen unserer Anlageberatung.
Gerade bei aktiv gemanagten Fonds ist eine sorgfältige Auswahl besonders wichtig. Hier gilt es abzuwägen, ob Kosten, Strategie und Risiken des Fonds zum jeweiligen Anleger passen. Ein gutes Verständnis der konkreten Fonds ist deshalb eine wichtige Grundlage jeder Anlageentscheidung.
Der größte Renditefehler entsteht häufig nicht durch das Produkt selbst, sondern durch falsche Entscheidungen in unruhigen Marktphasen. Wer in schwierigen Börsenzeiten vorschnell verkauft oder seine Strategie ständig verändert, gefährdet oft den langfristigen Anlageerfolg. Eine professionelle Einschätzung kann hier helfen, Ruhe zu bewahren und rationale Entscheidungen zu treffen.
Der Mehrwert guter Beratung liegt daher oft weniger in der reinen Fondsauswahl, sondern vielmehr in einer passenden Struktur, einer klaren Strategie und der notwendigen Disziplin. Je nach Ausgangssituation sehen wir den Mehrwert professioneller Beratung nach Kosten im Bereich von rund 1 bis 3 % gegenüber Depots, die ohne fachliche Begleitung geführt werden.
Für uns steht deshalb im Mittelpunkt, gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden eine individuelle Anlagestrategie zu entwickeln, die fachlich sinnvoll ist und zugleich zur persönlichen Lebenssituation, zum Risikoprofil und zu den langfristigen Zielen passt.
Aktive oder passive Fonds: Unser Fazit
Unsere Haltung ist deshalb klar: Bei Aktien bevorzugen wir überwiegend passive Fonds, weil sie langfristig in vielen Fällen die robustere und kosteneffizientere Lösung sind. Gleichzeitig halten wir es für sinnvoll, aktive Fonds gezielt beizumischen, wenn sie einen klaren Mehrwert liefern können – etwa in besonderen Marktphasen oder bei bewusst abweichender Positionierung.
Bei Rentenfonds sehen wir aktives Management sogar oft als die bessere Wahl, weil der Markt komplexer, weniger effizient und schwerer passiv abzubilden ist. Deshalb glauben wir nicht an ein Entweder-oder, sondern an eine saubere Kombination: passiv dort, wo Märkte sehr effizient sind – und aktiv dort, wo Flexibilität, Selektion und Risikosteuerung echten Mehrwert schaffen können.
Bei allen Arten von Fonds raten wir stets dazu, sich professionell und unabhängig beraten zu lassen. Eine übereilte Entscheidung kann schwerwiegende Konsequenzen haben und hohe Verluste mit sich bringen. Egal, ob aktive oder passive Fonds – gute Beratung und langjährige Erfahrung sind durch nichts zu ersetzen.


