Baufinanzierung: Was Banken vor der Kreditvergabe prüfen

Symbolbild Kreditvergabe Baufinanzierung

 

Die große Frage vor der Baufinanzierung: was Banken vor der Kreditvergabe prüfen. Bevor Banken eine Baufinanzierung zusagen, prüfen sie, ob Käufer oder Bauherren das Darlehen zuverlässig zurückzahlen können. Im Fokus stehen Einkommen, Eigenkapital, laufende Verpflichtungen und die Werthaltigkeit der Immobilie. Die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung schützt Kreditnehmende vor Überlastung und Banken vor Ausfällen. Welche Kriterien zählen und wie sich Interessierte vorbereiten, erläutert die Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Baufinanzierung: Voraussetzungen und Kriterien, die Banken prüfen

 

1. Bonität

Der Score entscheidet

Grundvoraussetzung für die Vergabe eines Immobiliendarlehens ist eine ausreichende Bonität des Kreditnehmers – also seine nachweisbare Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit. Institute nutzen dafür einen Bonitätsscore: Ein hoher Score verbessert die Chance auf eine Zusage. Die gängigste Auskunftsdatei ist die SCHUFA.

 

2. Stabiles Einkommen

Sicherheit für Kreditnehmer und Bank

Wer finanzieren will, braucht neben ausreichend Eigenkapital ein regelmäßiges monatliches Einkommen aus einem sicheren Arbeitsverhältnis. Je höher das Darlehen, desto höher muss das Einkommen sein. Für ein sicheres Arbeitsverhältnis sprechen Langfristigkeit – beispielsweise ein unbefristeter Arbeitsvertrag –, Branchenstabilität und positive Entwicklungsperspektiven. Auch für Selbstständige stehen die Chancen auf eine Baufinanzierung grundsätzlich nicht schlecht – entscheidend ist, dass sie ihre Einnahmen transparent und nachvollziehbar darstellen können und realistisch planen.

 

3. Ausreichend Eigenkapital

Risiko senken, Konditionen verbessern

Je mehr Eigenkapital Darlehensnehmer einbringen können, desto geringer ist das Risiko für die Bank – und das wird mit besseren Konditionen belohnt. Aktuell braucht man für eine solide Finanzierung ca. 10 -20 Prozent des Kaufpreises plus Kaufnebenkosten. Zu diesen zählen Notar– und Grundbucheintrag, Grunderwerbsteuer und Maklergebühren. Eine der größten Hürden bei Immobilienfinanzierungen bleibt das fehlende Eigenkapital. Tipp: „Gut beraten ist, wer das Sparen rechtzeitig plant, vorsorgt und frühzeitig den eigenen finanziellen Rahmen absteckt.

 

4. Alter und Familienstand

Tilgung vor dem 75. Geburtstag

Banken müssen laut EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie sicherstellen, dass Darlehensnehmer ihren Kredit innerhalb ihrer erwarteten Lebenszeit zurückzahlen. Praktisch heißt das: Die Laufzeit endet meist vor dem 75. Geburtstag. Zusätzliche Sicherheiten, wie z. B. abbezahlte Immobilien, Eigenkapital, Wertpapiere, Lebensversicherungen, Bausparverträge und Eigenleistungen, erhöhen die Chance auf eine Baufinanzierung auch in höherem Alter. Hinzu kommt: Wenn eine Baufinanzierung auf mehrere Schultern verteilt werden kann, sinkt das Ausfallrisiko für die Bank weiter. Eine Baufinanzierung gelingt aber auch Singles und Alleinerziehenden, wenn sie ausreichend Eigenkapital einsetzen oder über ein hohes Einkommen verfügen.

 

5. Immobilie als Sicherheit

Ermittlung des (Beleihungs-)Werts

Neben der Bonität spielt auch der Immobilienwert eine wichtige Rolle. Banken ermitteln dafür den Beleihungswert – der Betrag, der sich im Falle einer Versteigerung oder eines Verkaufs voraussichtlich erzielen lässt. Das Haus oder die Wohnung dient der Bank als Sicherheit für den Kredit, falls die Raten nicht mehr gezahlt werden können. Zur Berechnung ziehen einige Institute einen Sicherheitsabschlag von 10 Prozent vom aktuellen Wert der Immobilie ab. Der Beleihungswert liegt damit grundsätzlich unter dem Verkehrs- bzw. Marktwert. Liegt der Kaufpreis deutlich über dem von der Bank ermittelten Beleihungswert, kann die Finanzierung – besonders ohne ausreichendes Eigenkapital – schwieriger oder teurer werden.

Drei Maßnahmen, die die eigene Bonität verbessern

 

  • Pünktlich zahlen: Rechnungen fristgerecht begleichen, Mahnungen vermeiden, Schulden zügig tilgen.

  • Konsumkredite meiden – vor allem Dispo und Ratenkäufe. Sie wirken sich negativ auf den Score aus.

  • SCHUFA-Selbstauskunft prüfen und bei Bedarf korrigieren – idealerweise vor dem Beratungsgespräch. 


Unterlagen-Check: Das brauchen Banken für die Bonitätsprüfung


Damit Institute die Kreditwürdigkeit prüfen können, müssen verschiedene Unterlagen vorgelegt werden:

  • Personalausweis
  • Selbstauskunft des Kreditnehmers
  • Unterschriebene SCHUFA-Selbstauskunft
  • Nachweis einer festen und unbefristeten Beschäftigung
  • Gehalts- bzw. Einkommensnachweise der letzten 3 Monate
  • Letzter Lohnsteuerbescheid
  • Vermögensauskunft (Kontoauszüge, Grundbucheinträge, Lebens- oder Rentenversicherungen)
  • Nachweis über feste monatliche Ausgaben (Miete, Versicherungen, Privatkredite, Unterhaltsverpflichtungen oder Leasingraten, etc.)
  • Nachweise über zusätzliche Einkünfte (z. B. Mieteinnahmen, Unterhaltszahlungen, Zinseinnahmen)
  • Eventuell Kopien vorhandener Kreditverträge, staatlicher Förderungen oder KfW-Darlehen
  • Aktuelle Renteninformationen
  • Ggf. Nachweis zur privaten Krankenversicherung
  • Objektunterlagen: Exposé, Grundbuchauszug, Flurkarte, Baupläne, Fotos, etc. Bei Selbstständigkeit sind zudem folgende Unterlagen notwendig:
  • Betriebswirtschaftliche Auswertung
  • Jahresabschlüsse
  • Steuererklärungen und Steuerbescheide
  • ggfs. Gesellschaftervertrag

 

Tipp:

Wer weiß, auf welche Kriterien es ankommt, die eigenen Möglichkeiten realistisch einschätzt, seine finanzielle Situation transparent darstellt und gut vorbereitet in das Beratungsgespräch geht, schafft beste Voraussetzungen für eine reibungslose Bonitätsprüfung.


Vereinbaren Sie noch heute einen Termin zur Erstberatung für Ihre Immobilienfinanzierung! 

Ihr Banken-Deutsch/Deutsch-Banken- Übersetzer! 😉

Steffen Schneider

Bankbetriebswirt / European Financial Advisor
Facebook
Twitter
LinkedIn

Letzte Beiträge

Allgemein

Altersvorsorgedepot: 9 Dinge, über die nicht ausreichend gesprochen wird

Über das neue Altersvorsorgedepot – kurz AVD – wird derzeit viel gesprochen. Doch das AVD bringt nicht nur neue Chancen, sondern auch neue Risiken und viele Fragen. Hier sind 9 Dinge zum Altersvorsorgedepot, die viel unter den Teppich gekehrt werden und über die unserer Meinung nach nicht ausreichend gesprochen wird. → Weitere wichtige Hinweise weiter unten im Blog.

Weiterlesen »
Allgemein

Warum die Zinsen steigen und Anleihekurse fallen:

Haben Sie es schon gemerkt? Seit Mitte des Jahres steigen die Zinsen weltweit rasant an. Außer den Menschen, die im Moment eine Immobilie finanzieren möchten, ist das vielen anderen wahrscheinlich im Verborgenen geblieben. Denn die meisten Leute schauen bei der Zinsentwicklung auf die EZB. Und diese hat den Leitzins gerade einmal um 0,25% im September erhöht. Der Leitzins ist allerdings ein kurzfristiger Zinssatz. Der Zinsanstieg hat jedoch bei den langfristigen Zinsen viel stärker stattgefunden. Pfandbriefe verzeichnen beispielsweise einen Anstieg von 0,7% seit Anfang Juli.

Weiterlesen »
Finanzierungen

Finanzierungsvergleich – Ist die Finanzierung von unsanierten Immobilien vorteilhaft?

Unsanierte Immobilien finanzieren – ja oder nein? Am Jahresanfang hatte ich in einem Beitrag auf die verbesserten Konditionen bei KfW-Krediten hingewiesen. Nun möchte ich das Thema nochmals aufgreifen und einen Vergleich aufzeigen. Dabei handelt es sich um einen tatsächlichen Fall aus der Praxis, um einen aussagekräftigen Vergleich herstellen zu können: Ist die Finanzierung von unsanierten Immobilien vorteilhaft?

Weiterlesen »